Das Solmser Schloss wurde 1488 an die bestehende Stadtmauer angebaut. Über Jahrhunderte veränderten Umbauten und Nutzungswechsel die räumliche Struktur grundlegend. Was als großzügige Raumfolge begann, wurde zunehmend fragmentiert.
Ursprünglich besaß das Schloss zwei große Saalräume im Erd- und Obergeschoss. Der Umbau zum Amtsgericht um 1900 fragmentierte diese Großzügigkeit durch Flure, Zellen und Einbauten. Die späteren Einbauten wurden entfernt – das Gebäude lässt sich heute räumlich neu lesen.
Die Praxisräume lösen sich von der historischen Außenwand und werden als eigenständige Volumen lesbar. Ein markantes rotes Einbauelement strukturiert den Grundriss. Es definiert die Eingänge der Behandlungsräume und nimmt die Anmeldung auf. Die Stuckdecke aus der Zeit um 1900 wird Teil der neuen räumlichen Ordnung.
Im Dachgeschoss wird der historische Holzdachstuhl als hoher Raum erlebbar. Fehlstellen wurden mit mehreren hundert Jahre alten Balken ergänzt. Eine offene Shower Box ist als eigenständiger Raum in die Konstruktion eingestellt. Horizontale Öffnungen geben den Blick frei und bewahren die Atmosphäre des Bestands.
Auch im Außenraum wird der Eingriff als eigenständige Architektur lesbar. Fehlende Elemente wie Balkon und Zugang zum Gewölbekeller werden neu interpretiert. Ergänzungen aus Cortenstahl und Beton reagieren präzise auf Ort und Topografie. Der barrierefreie Weg folgt als plastisches Element der Bewegung des Geländes.
Der historische Dachstuhl blieb erhalten. Der Außenputz wurde entsprechend der ursprünglichen mineralischen Zuschläge rekonstruiert. Holz prägt das Projekt – von Wandverkleidungen über Möbel bis zu den Böden. Massive verputzte Außenwände und eine Niedertemperatur-Wandheizung ermöglichen einen zeitgemäßen Betrieb.